Deception Jamming täuscht Radar mit gefälschten Echos statt mit Rauschen und kann Ziele in Range, Geschwindigkeit oder Winkel verschieben. Der Beitrag erklärt Techniken wie RGPO und VGPO, die Rolle von DRFM-Jammern sowie Prävention, Detektion und Mitigation als ECCM-Strategien.
Was ist Deception Jamming und wie unterscheidet es sich von Noise Jamming?
Deception Jamming gehört zu den elektronischen Gegenmaßnahmen (Electronic Countermeasures, ECM) und ist damit ein Teilbereich der elektronischen Kriegsführung (Electronic Warfare, EW). Das Prinzip: Ein Jammer strahlt gezielt Hochfrequenzsignale ab, um den Radarbetrieb zu stören – er speist falsche Informationen ein und lenkt so die Aufmerksamkeit von den Zielen ab, die eigentlich von Interesse wären. Anders als beim Noise Jamming wird der Empfänger also nicht einfach mit Energie überflutet. Der Störer imitiert stattdessen das Radarsignal selbst und erzeugt dadurch den Eindruck eines echten Echos. Der Radar verfolgt dann ein Phantomziel, ohne etwas davon zu merken.
Der wichtigste Unterschied zum Noise Jamming, das in der Fachliteratur auch als Cover Jamming firmiert, steckt im Mechanismus dahinter. Noise Jamming hebt einfach den Rauschpegel am Empfänger an und überdeckt so die legitimen Signale – entweder über die komplette Bandbreite oder wenigstens über einen relevanten Ausschnitt davon. Der gestörte Radarempfänger bekommt dann kein erkennbares Ziel mehr zu sehen, sondern nur noch ein erhöhtes Grundrauschen, aus dem sich nichts Verwertbares herausfiltern lässt. Deception Jamming dagegen setzt ganz anders an: Statt das Nutzsignal zu übertönen, schleust der Jammer eine glaubwürdige Falschinformation ein, die das Radar nicht als Störung erkennt – vorausgesetzt, die Nachbildung des echten Echos ist überzeugend genug. Das Radar läuft scheinbar ungestört weiter, es wird getäuscht und nicht geblendet. Interessant ist dabei, dass so ein Jamming-Signal ein falsches Ziel erzeugen kann, ohne die Leistung des Echos vom interessierenden Ziel (Target of Interest, TOI) zu überschreiten. Entscheidend ist einzig, dass das eingestrahlte Signal die Erkennungsschwelle des Radars übersteigt. Der Jammer muss also nicht stärker sein als das reale Ziel – er muss bloß glaubhaft genug sein, um überhaupt detektiert zu werden.
Ein ganz praktischer Pluspunkt der Täuschung ist die Energieeffizienz: Deception Jammer müssen nicht über den kompletten Duty Cycle des Radarsignals senden. Das senkt den Stromverbrauch und reduziert das Gewicht des Systems. Und weil sie seltener senden, bleiben sie auch besser getarnt, was die Wahrscheinlichkeit verringert, vom Gegner entdeckt zu werden. Diese Vorteile haben allerdings ihren Preis: Speicherkapazität und Empfindlichkeit müssen deutlich höher sein, schließlich soll der Jammer die Radar-Echos präzise mitverfolgen und originalgetreu nachbilden. Ein typisches Einsatzszenario ist die Störung der Radar-Zielverfolgung, um Flugzeuge vor lenkwaffengestützten Bedrohungen zu schützen. Beim Selbstschutz schlüpft der Jammer praktisch in die Rolle des interessierenden Ziels.
Kerntechniken: Range-Gate Pull-Off, Velocity-Gate Pull-Off und Inverse Gain
Zu den gängigsten Täuschungsverfahren gehören Range-Gate Pull-Off (RGPO), Velocity-Gate Pull-Off (VGPO) und Inverse Gain. Beim RGPO erzeugt der Jammer zuerst ein Echo, das in der Entfernungsklärung exakt mit dem echten Ziel übereinstimmt – und schiebt es dann nach und nach in der Entfernung weg. Das Radar, das dem stärksten Signal folgt, wandert mit diesem falschen Echo aus dem tatsächlichen Entfernungsbereich des Ziels heraus. VGPO läuft ganz ähnlich ab, nur eben in der Geschwindigkeits- bzw. Doppler-Dimension, und zielt damit auf die Geschwindigkeitsfilter des Radars.
Beim Inverse Gain nutzt der Jammer die Winkelabhängigkeit der Radarantenne aus. Die Antenne empfängt in bestimmten Richtungen – etwa über ihre Nebenkeulen – empfindlicher oder mit anderer Gewichtung, und genau das macht sich der Jammer zunutze: Er strahlt sein Signal so ab, dass es über diesen Nebenkeulen-Empfang stärker erscheint als das eigentliche Ziel. Das Radar geht dann davon aus, die Energie komme aus einer anderen Richtung, und wird in einen falschen Winkel gelenkt. Tracking-Deception setzt noch eine Ebene höher an und zielt direkt auf die Verfolgungsschleife des Radars. Sie bringt das System dazu, eine falsche Zieltrajektorie zu schätzen – also eine Flugbahn, die es in Wirklichkeit überhaupt nicht gibt. Erzeugt der Jammer zusätzlich mehrere Falschziele (False Targets, FTs), überlastet er die Verarbeitung des Radars, und die Erkennung des tatsächlichen Ziels wird spürbar erschwert. Angle Deception Jamming wiederum ist eine spezielle Technik der elektronischen Kriegsführung gegen konisch abtastende Radarsysteme. Sie erzeugt ein falsches Signal, das den Radar täuscht und gezielt die Winkelverfolgung in die Irre führt, sodass die Antenne dem Phantomziel statt dem realen Ziel folgt.
| Technik | Angriffspunkt | Wirkung |
|---|---|---|
| Inverse Gain | Winkelabhängigkeit der Antenne (Nebenkeulen) | Signal erscheint stärker als das echte Ziel; Radar wird in einen falschen Winkel gelenkt |
| Tracking-Deception | Verfolgungsschleife des Radars | Schätzung einer falschen Zieltrajektorie; Überlastung durch mehrere Falschziele (FTs) |
| Angle Deception Jamming | Konisch abtastende Radarsysteme | Falsches Signal täuscht den Radar und führt die Winkelverfolgung in die Irre |
Von zusammengesetztem Deception Jamming spricht man, wenn mehrere Verfahren gleichzeitig zum Einsatz kommen – etwa ein Angriff, der CRDJ und ISRJ parallel nutzt. Beim aktiven Deception-Falschziel-Jamming leitet der Jammer das empfangene Radarsignal einfach weiter; die so entstehenden Falschziel-Echos sind in den meisten Fällen punktförmig. In der Praxis wird das oft mit Rauschmaßnahmen kombiniert, weil sich echte Ziele dann noch schlechter von den falschen unterscheiden lassen. Um die Wirkung solcher Techniken wirklich zu verstehen, hilft ein Blick auf die Signalverarbeitungskette des Radars: Je genauer der Jammer Wellenform, Phasenlage und Zeitverzögerung nachbildet, desto schwieriger wird es für das Radar, echte und falsche Ziele auseinanderzuhalten.
Wie DRFM-Jammer Falschziele erzeugen
DRFM, also das Digital Radio Frequency Memory, ist sozusagen das Herzstück moderner Deception-Jammer. Das Prinzip: Der Jammer fängt einen ankommenden Radarimpuls ab, verändert gezielt dessen Doppler-Verschiebung oder Laufzeit und schickt den manipulierten Impuls anschließend wieder ans Radar zurück. Dort wird er dann als echtes Echo verarbeitet – und schon erscheint ein Phantomziel an einer völlig falschen Position oder mit einer erfundenen Geschwindigkeit. Klingt simpel, ist aber ziemlich wirkungsvoll. Denn pulse-Doppler-Radare arbeiten kohärent, das heißt, sie nutzen die Phasenbeziehung der Echos, um echte Ziele vom Clutter zu trennen. Und genau diese Fähigkeit hebelt ein DRFM-Jammer mit voller Absicht aus.
DRFM-basiertes Deception Jamming wirkt vor allem gegen Pulse-Doppler-Radare – und das aus einem ziemlich einleuchtenden Grund: Diese Radare nutzen die kohärente Phasenbeziehung der empfangenen Echos, um echte Ziele von Clutter und Störsignalen zu trennen. Genau diese Fähigkeit lässt sich aber aushebeln. Dazu übernimmt der Jammer einfach die Phase des ankommenden Pulses und schickt sie mit verändertem Doppler oder veränderter Verzögerung zurück. Das Radar „sieht“ dann ein Ziel, das in Wahrheit überhaupt nicht existiert. Besonders unangenehm ist in diesem Zusammenhang das transponder-artige Deception Jamming, das per DRFM realisiert wird: Es erzeugt Echos, die echten Zielradar-Echos so stark gleichen, dass die Signalverarbeitung sie kaum noch als Störung erkennen kann. Range Deception entsteht wiederum, wenn DRFM-Jammer die HF-Signale digital erfassen, kurz zwischenspeichern und danach erneut aussenden. Durch gezieltes Verzögern verschiebt sich der scheinbare Zielabstand, und das ganz ohne höhere Sendeleistung. Diese hohe Nachbildungsgüte erklärt, warum DRFM heute als eine der ernstzunehmendsten Bedrohungen für moderne Radarsysteme gilt. Zugleich stellt die Technik enorme Anforderungen an Speichertiefe, Bandbreite und Latenz – denn nur mit ausreichend schneller und präziser Verarbeitung bleibt die Täuschung überhaupt glaubwürdig.
Ein vereinfachtes Ablaufschema hilft dabei, die Wirkungskette eines DRFM-Jammers Schritt für Schritt nachzuvollziehen – angefangen beim ersten Empfang des Radarsignals bis hin zu dem Echo, das der Radar als scheinbar echtes Ziel verarbeitet. Die folgende Übersicht fasst diese Schritte zusammen und ordnet jedem einzelnen den unmittelbaren Effekt am Radar zu. Schnell wird klar: Die eigentliche Täuschung entsteht nicht in einem einzigen Bauteil, sondern erst aus dem präzisen Zusammenspiel von Empfang, Speicherung, Manipulation und Rücksendung. Und schon kleine Abweichungen bei der Zeitverzögerung oder der Doppler-Verschiebung entscheiden darüber, ob das Radar ein Phantomziel als echten Treffer akzeptiert oder verwirft.
| Schritt | Vorgang im DRFM-Jammer | Effekt am Radar |
|---|---|---|
| 1 | Empfang des eingehenden Radarimpulses | Das Radar sendet wie gewohnt; noch kein Hinweis auf Störung |
| 2 | Abtastung und digitale Speicherung des Pulses | Die Kohärenz des Signals bleibt für die spätere Nachbildung erhalten |
| 3 | Veränderung von Doppler-Verschiebung oder Zeitverzögerung | Es entsteht ein Versatz in Entfernung oder Geschwindigkeit |
| 4 | Rücksendung des modifizierten Pulses | Das Radar verarbeitet ein falsches Echo – ein Phantomziel |
| 5 | Wiederholung mit variierten Parametern | Mehrere Falschziele können die Verarbeitung überlasten |
Anti-Deception Jamming: Prävention, Detektion und Mitigation
Eine Übersichtsarbeit ordnet die aktuelle Forschung zum Anti-Deception Jamming in drei Bereiche ein – eine Einteilung, die sich in der Literatur weitgehend durchgesetzt hat und als Rahmen dient, um einzelne Gegenmaßnahmen systematisch zu bewerten. Präventionsstrategien setzen dabei früh an: Sie erschweren es dem Jammer überhaupt, die Radarverarbeitung zu verändern, indem etwa Signalparameter variiert werden, bevor der Störer den Puls erfassen und kopieren kann. Detektionsstrategien verfolgen einen anderen Ansatz. Sie alarmieren das System, sobald sich Hinweise auf eine Täuschung verdichten, und gehen teilweise noch einen Schritt weiter, indem sie die Art des Angriffs klassifizieren – ob es sich also beispielsweise um Range- oder Velocity-Täuschung handelt. Mitigationsstrategien greifen schließlich dann, wenn eine Täuschung bereits erkannt wurde oder nicht vollständig verhindert werden konnte. Ihr Ziel ist es, die Auswirkungen des Jammings zu reduzieren oder ganz zu unterdrücken, damit das Radar trotz Störung brauchbare Zieldaten liefert. In der Praxis greifen diese drei Ebenen oft ineinander, doch die klare Trennung hilft, Forschungsergebnisse vergleichbar zu machen und bestehende Lücken zu identifizieren.
Zur Prävention setzt man unter anderem auf Pulse Diversity: Indem Radarsignalparameter wie Frequenz, Phase oder Pulsform von Puls zu Puls verändert werden, wird es für den Jammer deutlich schwieriger, die Wellenform korrekt nachzubilden und daraus ein glaubwürdiges Falschziel zu erzeugen. Denn wer die aktuelle Signatur nicht exakt kennt, kann sie auch nicht präzise kopieren – die Täuschung verliert an Wirkung. Als besonders aussichtsreiche Forschungsfelder gelten verteilte, kognitive und KI-gestützte Radarsysteme. Ein verteiltes Mehrradarsystem hat natürliche Vorteile beim Anti-Deception Jamming, weil mehrere räumlich getrennte Sensoren dieselbe Szene aus unterschiedlichen Blickwinkeln beobachten und ein einzelner Jammer kaum alle Empfangswege gleichzeitig täuschen kann. Allerdings werden die meisten Anti-Jamming-Methoden unter vollständigen räumlichen Bedingungen vorgeschlagen – also bei freier Sicht und uneingeschränkter Abdeckung –, was in der Praxis keineswegs immer gegeben ist.
Mitigation setzt später an: Sie soll die Wirkung von Täuschsignalen begrenzen, die bereits in die Radarkette eingedrungen sind. Dazu zählen robuste Tracking-Filter, die Ausreißer in der Zielspur erkennen und verwerfen, ebenso die Fusion mehrerer Sensoren, deren Messungen sich gegenseitig stützen oder widersprechen können, sowie Plausibilitätsprüfungen, die physikalisch unmögliche Werte – etwa sprunghafte Entfernungen oder unvereinbare Doppler-Verschiebungen – als verdächtig markieren. In der Praxis werden Prävention, Detektion und Mitigation meist kombiniert, weil kein einzelnes Verfahren alle Angriffsarten abdeckt: Was ein Jammer umgeht, fällt oft einer anderen Schicht auf. Für Betreiber bedeutet das: Die Verteidigung gegen Deception Jamming ist ein Schichtenmodell, bei dem Signaldesign, Sensorfusion und Algorithmen zusammenwirken müssen – vergleichbar mit einem Sicherheitskonzept, das nicht auf eine einzelne Barriere vertraut, sondern auf das Zusammenspiel mehrerer.
Deception vs. Suppression Jamming mit der Signal-Kegel-Methode erkennen
Das Patent CN103760530A der Xidian University, eingereicht am 15. Januar 2014, veröffentlicht am 30. April 2014, erteilt am 10. Februar 2016 und mit einem voraussichtlichen Ablaufdatum am 15. Januar 2034, beschreibt ein Verfahren, das Suppression Jamming und Deception Jamming anhand eines sogenannten Signal-Kegels voneinander unterscheidet. Der Grundgedanke: Störsignale, die aus einer anderen Richtung als das echte Ziel-Echo eintreffen, lassen sich über ihren Fehlerwinkel einordnen. Dazu wird zunächst das Basisbandsignal des Ziels beziehungsweise der Störung erfasst. Danach berechnet man den Fehlerwinkel mu, also die Winkeldifferenz zwischen dem Störsignal und dem echten Ziel-Echo. Anschließend legt man einen Schwellenwinkel theta von 80 Grad als Kegelwinkel fest, wobei das echte Ziel-Echo die Mittelachse bildet und damit einen Signal-Kegel aufspannt. Liegt die Störung außerhalb dieses Kegels, wird sie als suppressive Störung eingestuft; fällt sie hinein, gilt sie als Täuschstörung. Der Vergleich von mu mit theta liefert somit die Entscheidung über die Art der Störung – ein Ansatz, dessen extrahiertes Merkmal robust ist und sowohl bei hohem als auch bei niedrigem Stör-zu-Rausch-Verhältnis funktioniert.
Störungen außerhalb des Kegels werden als suppressive Störung definiert, Störungen innerhalb des Kegels als täuschende Störung. Durch den Vergleich von mu mit theta lässt sich der Störungstyp bestimmen. Das extrahierte Merkmal ist robust und funktioniert sowohl bei hohem als auch bei niedrigem Interferenz-zu-Rausch-Verhältnis. Die Methode ist damit ein Beispiel dafür, wie sich aus geometrischen Signalbeziehungen eine praktische Klassifikation ableiten lässt, ohne auf aufwendige Lernverfahren angewiesen zu sein.
Die Stärke des Ansatzes liegt in der einfachen Schwellenlogik und der Robustheit gegenüber wechselnden Signalpegeln. In der Praxis kann eine solche Klassifikation als Vorstufe dienen, um anschließend gezielt Gegenmaßnahmen auszuwählen – etwa Prävention bei Deception und Mitigation bei Suppression. Die Kombination aus Signal-Kegel und weiteren Merkmalen erhöht die Zuverlässigkeit der Erkennung.
Leistungsdaten, Grenzen und offene Forschungsfragen
Die Detektion von DRFM-Deception-Jamming erreicht laut Simulationen und experimentellen Ergebnissen eine korrekte Erkennungsrate von 92 Prozent bei einem Jamming-to-Signal-Ratio (JSR) und SNR von 0 dB. In einem Diskriminationsexperiment für aktives Deception Jamming war das vom Jammer freigesetzte Falschziel ein kombiniertes Entfernungs-Geschwindigkeits-Falschziel, das anfangs etwa 1650 m vom Referenzziel entfernt lag. In jedem Jamming-Hintergrund wurden 90 Sätze echter Zieldaten (insgesamt 360 Sätze) gesammelt, von denen 300 verwendet wurden.
Zur Bewertung der Leistungsfähigkeit von Range Deception Jamming wird ein statistisches Varianz-Datenfusionsverfahren eingeführt, mit dem geprüft werden kann, ob Jamming-Spuren in denselben Koordinaten homolog sind. Solche Verfahren helfen, Fehlalarme zu reduzieren und die Zuverlässigkeit der Klassifikation zu erhöhen. Die genannten Werte stammen aus Simulations- und Versuchsaufbauten und lassen sich nicht ohne Weiteres auf jede reale Einsatzumgebung übertragen, da Clutter, Mehrwegeausbreitung und Sensorpositionen die Ergebnisse beeinflussen.
Radar-Clutter von Gelände, Wetter und Meeresoberfläche erschwert die Jammer-Erkennung, weil breitbandige Clutter-Echos einigen Noise-Jamming-Signaturen ähneln. Die folgende Übersicht vergleicht zentrale Störarten und ihre Eigenschaften.
Vergleich und Abwägungen: Noise Jamming, Spot, Barrage und Sweep
Noise Jamming überlagert breitbandiges oder schmalbandiges Rauschen. Spot Jamming konzentriert hochleistungsfähiges Rauschen auf eine einzelne bekannte Frequenz. Barrage Jamming verteilt eine geringere spektrale Dichte über ein breites Band. Sweep Jamming zykelt Spot-Energie schnell über Frequenzen und tauscht Spitzenleistungsdichte gegen Abdeckung. Deception Jamming ersetzt das Ziel durch ein falsches und bleibt, richtig ausgeführt, für den Radar unbemerkt.
Die Wahl der Störart hängt vom Ziel ab: Noise Jamming eignet sich, um Signale zu maskieren, während Deception Jamming darauf abzielt, den Radar in die Irre zu führen. In der Praxis werden beide Ansätze kombiniert, um Erkennung und Verfolgung gleichzeitig zu erschweren. Für den Radar bedeutet das, dass eine wirksame Verteidigung sowohl die Rauschfestigkeit als auch die Fähigkeit zur Unterscheidung echter und falscher Ziele verbessern muss.
Gegenmaßnahmen und ECCM: Was Radar gegen Täuschung tun kann
Electronic Counter-Countermeasures (ECCM) umfassen alle Techniken, mit denen Radar Störungen widersteht oder sie kompensiert. Gegen Deception Jamming setzt man auf Pulse Diversity, Frequenzagilität, Mehrsensorfusion und kognitive Ansätze. Weil Deception Jammer die Wellenform nachbilden, ist die Variation der Sendeparameter ein zentrales Mittel, um die Nachbildung zu erschweren. Zusätzlich helfen Verfahren, die mehrere Radare oder verteilte Sensoren kombinieren, da falsche Ziele aus unterschiedlichen Blickwinkeln oft nicht konsistent erscheinen.
Auf der Verarbeitungsebene kommen Plausibilitätsprüfungen, Tracking-Filter und Datenfusion zum Einsatz. Eine statistische Varianz-Datenfusion kann prüfen, ob Jamming-Spuren in denselben Koordinaten homolog sind, und so verdächtige Ziele markieren. In der Forschung gelten verteilte, kognitive und KI-gestützte Radarsysteme als besonders aussichtsreiche Wege. Wer Radarsysteme betreibt, sollte ECCM nicht als einzelne Funktion, sondern als durchgängige Eigenschaft von Signaldesign, Sensorik und Algorithmik verstehen.
FAQ: Häufige Fragen zu Deception Jamming
Die folgenden Fragen fassen die wichtigsten Aspekte zu Deception Jamming, DRFM und Gegenmaßnahmen zusammen. Sie richten sich an Leser, die sich einen kompakten Überblick verschaffen wollen.
Fazit: Täuschung als Wettrüsten zwischen Jammer und Radar
Deception Jamming ist eine hochentwickelte Disziplin der elektronischen Kriegsführung, die auf Nachbildung statt auf Überstrahlung setzt. DRFM-Jammer haben die Qualität der Falschziele deutlich erhöht und stellen Pulse-Doppler-Radare vor besondere Herausforderungen. Zugleich wächst die Gegenmaßnahmen-Forschung: Prävention, Detektion und Mitigation bilden zusammen ein Schichtenmodell, das von Signaldesign bis zu KI-gestützten Radarsystemen reicht. Die Signal-Kegel-Methode zeigt, wie sich Deception und Suppression mit einfachen geometrischen Kriterien unterscheiden lassen. Entscheidend bleibt die Fähigkeit, echte von falschen Echos zu trennen – ein Wettlauf, der mit jeder Generation von Radar und Jammer neu entschieden wird.
Häufig gestellte Fragen
Wie funktioniert Deception Jamming gegen Radar?
Deception Jamming bildet die Radarwellenform nach und sendet sie mit kontrollierten Änderungen zurück, sodass der Radar ein überzeugendes falsches Echo empfängt. Das Falschziel kann erzeugt werden, ohne die Leistung des echten Ziel-Echos zu überschreiten, solange es die Erkennungsschwelle übersteigt. Der Radar verfolgt dann ein Phantomziel in Entfernung, Geschwindigkeit oder Winkel.
Was ist der Unterschied zwischen Noise Jamming und Deception Jamming?
Noise Jamming, auch Cover Jamming genannt, erhöht das Hintergrundrauschen am Empfänger und maskiert legitime Signale. Deception Jamming dagegen speist falsche Informationen ein und lenkt die Aufmerksamkeit ab; richtig ausgeführt merkt der Radar nichts vom Angriff. Deception Jammer senden nicht über den gesamten Duty Cycle, was Energieeffizienz und Tarnung verbessert.
Was ist DRFM Deception Jamming?
Digital Radio Frequency Memory (DRFM) Jammer erfassen einen eingehenden Radarimpuls digital, verändern dessen Doppler-Verschiebung oder Zeitverzögerung und senden den modifizierten Impuls zurück. Der Radar verarbeitet dann ein falsches Echo, das ein Phantomziel in falscher Entfernung oder Geschwindigkeit anzeigt. DRFM-basierte Täuschung ist besonders wirksam gegen Pulse-Doppler-Radare.
Wie kann Radar Deception Jamming erkennen und abwehren?
Anti-Deception-Jamming wird in Prävention, Detektion und Mitigation unterteilt. Prävention nutzt Pulse Diversity, um die Nachbildung durch den Jammer zu erschweren; Detektion alarmiert das System und kann den Angriffstyp klassifizieren; Mitigation reduziert oder unterdrückt die Jamming-Wirkung. Die Forschung setzt auf verteilte, kognitive und KI-gestützte Radarsysteme.
Was ist Deception Jamming und wie unterscheidet es sich von Noise Jamming?
Deception Jamming sendet gefälschte Echos, die wie echte Radarziele wirken, und verschiebt Ziele in Entfernung, Geschwindigkeit oder Winkel. Noise Jamming überflutet den Empfänger mit Rauschen und maskiert Signale. Deception arbeitet energieeffizienter und bleibt oft unentdeckt, während Noise Jamming breitbandig stört und leichter erkennbar ist.
Wie erzeugen DRFM-Jammer Falschziele im Radar?
Ein DRFM-Jammer tastet den eingehenden Radarimpuls ab, speichert ihn digital und sendet ihn mit veränderter Doppler-Verschiebung oder Zeitverzögerung zurück. Dadurch entsteht ein kohärentes falsches Echo, das ein Phantomziel in falscher Entfernung oder Geschwindigkeit anzeigt. Besonders Pulse-Doppler-Radare werden so getäuscht, da DRFM die Phasenbeziehung gezielt manipuliert.


