Ein Jammer, der gleichzeitig über ein breites Frequenzband sendet, wird als Barrage Jamming bezeichnet. Dieser Artikel erklärt, wie sich Barrage-, Spot- und Sweep-Jamming unterscheiden, warum das J/S-Verhältnis über den Erfolg entscheidet und weshalb Frequenzsprung-Drohnen (FHSS) besonders anfällig sind.

Was ist ein Jammer, der gleichzeitig über ein Frequenzband sendet?

Ein Jammer, der gleichzeitig ein ganzes Frequenzband belegt, nennt man Barrage Jamming. Das Prinzip: Ein einzelner Sender verteilt seine Energie parallel über viele Frequenzen und legt damit mehrere Kanäle auf einmal lahm. Die IEEE definiert Jamming allgemein als das absichtliche Ausstrahlen von HF-Signalen, mit dem Ziel, einen Kommunikationskanal, ein Radar oder ein Navigationssystem zu stören, zu verschlechtern oder komplett unbrauchbar zu machen – eingeordnet wird das als Electronic Attack innerhalb der elektronischen Kriegsführung.

Der Preis für diese breite Abdeckung ist allerdings die Leistungsdichte: Da sich die Sendeleistung über das gesamte Band verteilt, steht auf einer einzelnen Frequenz vergleichsweise wenig Energie zur Verfügung. Und genau in diesem Zielkonflikt steckt der Kern des Barrage Jamming – die Frage nämlich, wie viele Frequenzen sich stören lassen und wie stark jede einzelne davon gestört wird. In der Praxis werden die Begriffe übrigens oft synonym verwendet: Barrage Jamming taucht auch als Breitband-Rauschjamming, Constant Jamming oder Wideband Jamming auf.

In der Fachwelt wird grundsätzlich zwischen zwei Familien unterschieden: Beim Noise Jamming wird Breitband- oder Schmalbandrauschen über das Zielband gelegt, während beim Repeater Jamming empfangene Signale mit Verzögerung und Veränderung zurückgesendet werden. Daneben gibt es eine Reihe verwandter Konzepte – Spot Jamming, Sweep Jamming, Reactive Jamming und Protocol Jamming, dazu DRFM (Digital Radio Frequency Memory), Deceptive Jammer, das J/S-Verhältnis, Burn-Through, ECCM, FHSS und Spread Spectrum.

Barrage Jamming vs. Spot Jamming vs. Sweep Jamming: Die Unterschiede

Die drei klassischen Störverfahren unterscheiden sich in erster Linie dadurch, wie sie ihre Sendeleistung über Frequenz und Zeit verteilen. Beim Spot Jamming wird die komplette Leistung auf eine einzige Frequenz konzentriert – dort erreicht man die höchste Leistungsdichte. Das funktioniert gut gegen festfrequente Verbindungen, bringt aber gegen frequenzagile Radare rein gar nichts. Sweep Jamming wiederum schiebt die volle Leistung rasch über einen Frequenzbereich hin und her. So lassen sich mehrere Frequenzen kurz nacheinander treffen, allerdings niemals alle zum selben Zeitpunkt.

Beim Barrage Jamming wird die Energie dagegen gleichzeitig über ein breites Frequenzband verteilt. Dadurch ist diese Methode ziemlich widerstandsfähig gegenüber Frequenzsprungverfahren – allerdings um den Preis, dass man eine enorme Sendeleistung braucht, wenn man über die komplette Bandbreite hinweg wirksam bleiben will. Eine vierte, deutlich cleverere Variante ist das sogenannte Protocol Jamming: Statt das gesamte Band zu stören, setzt es gezielt auf einzelne Datenpakete, kommt mit wesentlich geringerer Leistung aus und hält die Kollateralschäden entsprechend klein.

Die folgende Übersicht fasst die wichtigsten Eigenschaften der Verfahren zusammen.

Wie funktioniert Barrage Jamming technisch – J/S-Verhältnis und Burn-Through?

Ein Jammer ist im Grunde genommen erst einmal nichts anderes als ein Sender, der auf genau dasselbe Frequenzband abgestimmt wird wie das Ziel, das man stören möchte. Das Prinzip dahinter ist simpel: Schickt der Jammer auf der Frequenz, auf der der Empfänger gerade lauscht, ein stärkeres Signal als der eigentliche Sender, dann hat der Empfänger keine Chance mehr, das gewünschte Nutzsignal sauber vom Rauschen zu trennen. Ob so eine Störung tatsächlich greift, lässt sich über das sogenannte Jamming-to-Signal-Verhältnis (kurz J/S) beschreiben – also das Verhältnis zwischen der Störleistung und der Nutzleistung, die beim Empfänger des Opfers ankommen. Und sobald dieses Verhältnis die Burn-Through-Schwelle des Empfängers übersteigt, ist es um die Verbindung geschehen: Sie bricht zusammen.

Bei RF Wireless World findet sich dazu folgende Gleichung: J/S = (Pj * Gjr * Grj * Rtr^2 * Lr * Br) / (Pt * Gtr * Grt * Rjr^2 * Lj * Bj). Die einzelnen Größen stehen dabei für recht unterschiedliche Dinge – Pj etwa für die Leistung des Jammers, Pt für die des Senders. Br und Bj wiederum bezeichnen die Bandbreiten von Kommunikationsempfänger und Störsender, während Rjr den Abstand zwischen Jammer und Empfänger angibt. Aus all dem lassen sich drei praktische Designregeln ableiten: Der Jammer sollte auf derselben Frequenz senden wie der Empfänger, auch bei der Modulationsart müssen beide zusammenpassen, und nicht zuletzt muss die Jammer-Leistung über der des gestörten Senders liegen.

Ein mobiler Jammer setzt sich in der Regel aus einem Netzteil, einem ZF-Teil mit einem VCO, der über einen Referenzoszillator abgestimmt wird, und einem HF-Teil zusammen, zu dem ein HF-Upconverter, ein HF-Leistungsverstärker und eine Antenne gehören. Die Kernkomponenten sind also Stromquelle, Oszillator, Verstärker und Antenne. Ein interessantes historisches Beispiel ist das Patent US3896439A: Es wurde von John M. Lester, Philip W. Crist und Charles E. O'Toole entwickelt, war ursprünglich Sperry Rand Corp. zugeordnet und gehört heute Unisys Corp. Eingereicht wurde es am 31. Oktober 1955, veröffentlicht dann am 22. Juli 1975. Beschrieben wird darin eine Breitband-Rauschquelle, die in mehrere Ausgangskanäle aufgeteilt wird. Schalter verbinden dabei die Kanäle mit Breitband-Sendemitteln, und ein Breitbandempfänger sorgt dafür, dass diese Schalter auf empfangene Signale reagieren. Über eine kurze Lookthrough-Periode hinweg betrachtet das System alle Frequenzen seines breiten Bands gleichzeitig.

Warum richtet sich Barrage Jamming gegen Frequenzsprung-Drohnen und FHSS-Verbindungen?

Frequency-Hopping Spread Spectrum, kurz FHSS, springt sehr schnell zwischen einzelnen Kanälen hin und her. Ein schmalbandiger Jammer hat da schlechte Karten: Er kann immer nur eine Frequenz gleichzeitig belegen und kommt mit dem Sprungmuster schlicht nicht mit. Barrage Jamming löst dieses Problem, indem es ein ganzes Band gleichzeitig abdeckt – der Sprung landet sozusagen mitten im gestörten Bereich. Genau deshalb ist es das Mittel der Wahl gegen frequenzspringende Drohnen, deren Steuer- und Videodownlinks typischerweise auf 2,4 GHz und 5,8 GHz laufen.

Drohnen funken je nach Modell und Region auf ganz unterschiedlichen Bändern: 433 MHz, 900 MHz, 1,2 GHz, 1,5 GHz, 2,4 GHz und 5,8 GHz sind hier die gängigen Kandidaten. Counter-Drone-Jammer setzen in der Regel auf Frequenzen bis etwa 6 GHz. Ein Barrage-Jammer muss also eine ganze Menge Bandbreite gleichzeitig abdecken – und genau das erklärt, warum er gegenüber Spot Jamming beim Wirkungsgrad pro Einzelfrequenz den Kürzeren zieht.

Die folgende Tabelle ordnet die wichtigsten Frequenzbänder und ihre typischen Anwendungen ein.

Welche Frequenzbänder und Reichweiten sind in der Praxis relevant?

Die technischen Parameter unterscheiden sich je nach Anwendungsfall deutlich. Mobilfunk-Jammer decken grob 700 MHz bis 2600 MHz ab; 2G und 3G liegen bei etwa 800–900 MHz sowie 1700–2100 MHz, 4G LTE bei etwa 700 MHz bis 2600 MHz, 5G im Mid-Band bei 3300–3800 MHz und im Millimeterwellenbereich bei 24.000–29.500 MHz. GPS/GNSS-Signale werden bei 1575 MHz (L1, E1, E5a) empfangen und erreichen den Boden mit etwa minus 120 dBm – ein extrem schwaches Signal, das entsprechend leicht zu stören ist. Wi-Fi nutzt 2,4 GHz, 5 GHz und 6 GHz.

Bei der Reichweite gilt: Kleine Jammer mit geringer Leistung decken einen einzelnen Raum ab, während für etwa 400 Quadratmeter rund drei bis vier solcher Einheiten nötig sind. Mittelstarke Jammer mit etwa 10 bis 20 Watt pro Frequenzmodul versorgen mit einer oder zwei Einheiten über 1.000 Quadratmeter. Tragbare HF-Jammer arbeiten häufig gleichzeitig über vier bis acht Bänder.

Für Counter-Drone-Hardware nennen Hersteller und Fachquellen handgeführte, gewehrförmige Modelle mit etwa 2 km Reichweite sowie turm- oder fahrzeugmontierte automatisierte Systeme, die 4 bis 10 km abdecken, mit Ausgangsleistungen zwischen 240 und 800 Watt; einige überwachen ein volles 360-Grad-Feld. Verbraucher-Jammer kosten je nach Leistung grob 40 bis 1.000 US-Dollar. Marktdaten zufolge entfällt etwa 30,81 % des Jammer-Absatzes auf das VHF/UHF-Band, während der Gesamtmarkt mit einer jährlichen Wachstumsrate von rund 8,70 % expandiert.

Welche Trade-offs, Grenzen und Kollateraleffekte hat Barrage Jamming?

Der zentrale Trade-off ist unvermeidlich: Je mehr Frequenzen ein Jammer gleichzeitig abdeckt, desto weniger Leistung steht pro Kanal zur Verfügung. Um über ein ganzes Band wirksam zu bleiben, braucht Barrage Jamming daher eine immense Sendeleistung – ein Nachteil bei mobilen, batteriebetriebenen oder verdeckt arbeitenden Systemen. Hinzu kommt die Kollateralwirkung: Ein breitbandiger Störsender trifft nicht nur das Ziel, sondern potenziell auch unbeteiligte Kommunikation im selben Spektrum, etwa WLAN, GNSS oder Mobilfunk in der Umgebung.

Eine Forschungsarbeit der Università degli Studi di Napoli Federico II (arXiv:2505.07429v1, 12. Mai 2025) beschreibt kognitive, nicht-kohärente Jamming-Techniken für frequenzselektive Angriffe. Der Testaufbau empfängt Signale von 70 MHz bis 6 GHz bei einer Instantanbandbreite von bis zu 20 MHz. Solche kognitiven Ansätze zielen darauf ab, die Effizienz zu erhöhen und Kollateralschäden zu reduzieren – ein Gegenentwurf zum klassischen, verschwenderischen Barrage-Ansatz.

Ist Jamming legal – und welche Gegenmaßnahmen gibt es?

In den Vereinigten Staaten verbieten der Communications Act von 1934 und 47 U.S.C. 302a(b) den Betrieb, die Herstellung, das Inverkehrbringen, den Verkauf, die Einfuhr, den Vertrieb und den Versand von Jammern – ausgenommen sind autorisierte Bundesbehörden wie DoD, DOJ, DHS und DOE. Unautorisierte Störungen sind eine Bundesstraftat. In Deutschland und der EU ist der Betrieb von Jammern ebenfalls grundsätzlich verboten; Ausnahmen gelten nur für staatliche Stellen mit entsprechender Genehmigung, etwa im Rahmen der Frequenzordnung und des Telekommunikationsgesetzes. Wer einen Jammer erwirbt oder betreibt, macht sich in der Regel strafbar.

Auf der Verteidigungsseite stehen ECCM-Maßnahmen (Electronic Counter-Countermeasures) bereit: Frequenzsprungverfahren, Spread Spectrum, Richtantennen, Leistungsanpassung und Burn-Through-Reserven. Je höher die Sendeleistung des legitimen Senders relativ zum Jammer ist, desto eher überwindet der Empfänger die Störung. Für Betreiber kritischer Infrastruktur ist daher weniger die Frage entscheidend, ob Barrage Jamming technisch funktioniert, sondern wie robust die eigene Funkstrecke gegen breitbandige Störungen ausgelegt ist.

Benannte Jammer-Hersteller und Anbieter in diesem Umfeld sind unter anderem SESP Group, Enterprise Control Systems Ltd. (UK), WolvesFleet Technology Co., Ltd. und HSS Development (75 South Broadway, New York, USA). Weitere Fachquellen und Organisationen, die sich mit dem Thema befassen, sind JEM Engineering, Sentrycs, Antenna Experts, Startup Defense, RF Wireless World, ScienceInsights, Paddyrats und der IEEE Technology Navigator.

Wer sich mit dem Thema beschäftigt, sollte stets die lokale Rechtslage prüfen: Selbst der Besitz oder die Einfuhr eines Jammer-Geräts kann bereits genehmigungspflichtig oder verboten sein, unabhängig davon, ob das Gerät tatsächlich in Betrieb genommen wird.

Welche Frequenzbänder und Parameter sollte man konkret kennen?

Die folgende Tabelle fasst typische Frequenzbereiche und Parameter zusammen, die für Barrage Jamming und Counter-Drone-Anwendungen relevant sind.

AnwendungFrequenzbereichTypische Leistung/Reichweite
Mobilfunk (2G/3G)800–900 MHz, 1700–2100 MHzje nach Modul
4G LTE700–2600 MHzje nach Modul
5G Mid-Band / mmWave3300–3800 MHz / 24.000–29.500 MHzje nach Modul
GPS/GNSS1575 MHz (L1, E1, E5a)Empfangspegel ca. −120 dBm
Wi-Fi2,4 GHz, 5 GHz, 6 GHzje nach Modul
Drohnenlinks433 MHz, 900 MHz, 1,2 GHz, 1,5 GHz, 2,4 GHz, 5,8 GHzCounter-Drone bis ca. 6 GHz
Handheld-Counter-Dronemehrere Bänderbis ca. 2 km
Turm-/Fahrzeug-Systememehrere Bänder4–10 km, 240–800 W

Die Tabelle zeigt, wie breit das Spektrum ist, das ein Barrage-Jammer abdecken muss. Genau diese Bandbreite erklärt, warum die Leistungsdichte pro Kanal sinkt und warum kognitive oder protokollbasierte Ansätze für viele moderne Anwendungen attraktiver werden. Wer Planungen vornimmt, sollte zudem die lokale Regulierung und die Schutzbedürfnisse benachbarter Funkdienste berücksichtigen.

Häufig gestellte Fragen zu Barrage Jamming

Die folgenden Fragen tauchen bei der Recherche zu Barrage Jamming und HF-Störtechniken besonders häufig auf. Die Antworten fassen die wichtigsten Punkte kompakt zusammen und ergänzen die technischen Details aus den vorherigen Abschnitten.

Bei der Bewertung von Jammer-Technologien ist entscheidend, zwischen theoretischer Wirksamkeit und rechtlicher Zulässigkeit zu unterscheiden. Die technische Machbarkeit sagt nichts über die Genehmigungsfähigkeit aus – in den meisten Ländern ist der Betrieb ohne staatliche Erlaubnis strafbar.

Häufige Fragen

Was ist Barrage Jamming einfach erklärt?

Barrage Jamming bezeichnet das gleichzeitige Stören eines ganzen Frequenzbands durch einen einzigen Sender. Die Sendeleistung wird parallel auf viele Frequenzen verteilt, sodass mehrere Kanäle zur selben Zeit gestört werden. Der Vorteil ist die breite Abdeckung, der Nachteil die geringe Leistungsdichte pro Einzelfrequenz. Deshalb eignet sich das Verfahren besonders gegen frequenzspringende Systeme wie FHSS-Drohnen.

Wie unterscheidet sich Barrage Jamming von Spot und Sweep Jamming?

Spot Jamming bündelt die gesamte Leistung auf eine einzige Frequenz und erzielt dort die höchste Leistungsdichte, ist aber gegen frequenzagile Radare wirkungslos. Sweep Jamming fährt die volle Leistung schnell über einen Frequenzbereich und trifft mehrere Frequenzen nacheinander, jedoch nie gleichzeitig. Barrage Jamming verteilt die Energie gleichzeitig über ein breites Band und ist dadurch robust gegen Frequenzsprungverfahren, benötigt aber enorme Sendeleistung.

Warum ist das J/S-Verhältnis beim Jamming entscheidend?

Das Jamming-to-Signal-Verhältnis (J/S) beschreibt das Verhältnis von Störleistung zu Nutzleistung am Empfänger des Opfers. Überschreitet J/S die Burn-Through-Schwelle des Empfängers, bricht die Verbindung zusammen. Die Formel berücksichtigt unter anderem Jammer-Leistung, Senderleistung, Bandbreiten und Abstände. Daraus folgen drei Designregeln: passende Jammer-Frequenz, passende Modulationsart und ausreichende Jammer-Leistung.

Ist der Betrieb eines Jammer-Geräts in Deutschland legal?

Nein, in Deutschland und der EU ist der Betrieb von Jammern grundsätzlich verboten. Ausnahmen gelten nur für staatliche Stellen mit entsprechender Genehmigung im Rahmen der Frequenzordnung und des Telekommunikationsgesetzes. Wer einen Jammer erwirbt, einführt oder betreibt, macht sich in der Regel strafbar. Selbst Besitz oder Einfuhr können genehmigungspflichtig oder verboten sein, unabhängig von der tatsächlichen Inbetriebnahme.