Störsender für Mobilfunk und GPS sind im Vereinigten Königreich nach dem Wireless Telegraphy Act 2006 verboten – doch der bloße Besitz ist bislang nicht ausdrücklich untersagt. Eine Konsultation der britischen Regierung und der Crime and Policing Bill sollen diese Lücke schließen.
Was sagt das britische Recht derzeit zu Signal Jams?
Wer in Großbritannien einen signal jammer betreibt, verstößt gegen den Wireless Telegraphy Act 2006 (WTA). Das Gesetz verbietet zum einen die Nutzung nicht zugelassener Funkgeräte, zum anderen stellt es die vorsätzliche Störung eines Funksignals unter Strafe. Ofcom, die britische Regulierungsbehörde für elektronische Kommunikation und Postdienste, erteilt für Jammer übrigens grundsätzlich keine Genehmigung und lizenziert sie auch nicht. Und nicht nur der Betrieb ist illegal: Ebenso verboten sind Herstellung, Import, Verkauf und Vermietung solcher Geräte.
Die wohl größte Schwachstelle der aktuellen Regelungen: Der bloße Besitz eines Radiofrequenz-Jammers ist gesetzlich nicht ausdrücklich verboten. Der Wireless Telegraphy Act erfasst zwar den Betrieb und das Inverkehrbringen nicht konformer Geräte, doch in der Praxis ist es alles andere als einfach, jemandem nachzuweisen, dass er einen Jammer tatsächlich zur Störung eingesetzt hat. Genau diese Lücke will die britische Regierung nun schließen – mit einer im April 2026 gestarteten Konsultation, die klären soll, ob der Besitz von Jammern künftig unter Strafe gestellt werden sollte.
Ist der Besitz eines Signal Jammers im Vereinigten Königreich illegal?
Nach aktueller Rechtslage ist der bloße Besitz eines Radiofrequenz-Jammers im Vereinigten Königreich nicht explizit verboten. Zwar untersagt der Wireless Telegraphy Act 2006 sowohl die Nutzung als auch die Lieferung nicht konformer Geräte, und Ofcom erteilt grundsätzlich keine Genehmigungen für Jammer – doch allein aus dem Besitz ergibt sich noch keine Straftat. Anders sieht es aus, wenn jemand ein solches Gerät tatsächlich betreibt oder verkauft: Dann greifen die bestehenden Verbote. Wer den Jammer also nur zu Hause liegen hat, macht sich damit noch nicht automatisch strafbar.
Das Department for Science, Innovation and Technology – kurz DSIT – hat am 10. April 2026 eine Konsultation zum Besitz von Radiofrequenz-Jammern und zum dazugehörigen Rechtsrahmen angestoßen. Diese Art von Beteiligungsverfahren, ein sogenanntes call for evidence, läuft vier Wochen und schließt am Freitag, dem 8. Mai 2026, um 23:59 Uhr. Veröffentlicht wurde das Ganze unter der Labour-Regierung von Premierminister Keir Starmer, also in der Amtsperiode 2024 bis 2026. Zuständig für Telekommunikation und damit auch für diese Frage ist Liz Lloyd, Baroness Lloyd of Effra CBE.
Gleichzeitig soll der Crime and Policing Bill den Besitz oder die Weitergabe von elektronischen Geräten unter Strafe stellen, die für Autodiebstähle genutzt werden – darauf stehen bis zu fünf Jahre Haft. Damit gäbe es zum ersten Mal einen eigenen Straftatbestand für den Besitz bestimmter Jammer-Kategorien. Für alle anderen Jammer-Typen bleibt die grundsätzliche Frage des Besitzes allerdings weiterhin ungeklärt.
Wie funktionieren Signal Jams und welche Signale blockieren sie?
Ein Jammer überflutet genau die Funkfrequenzen, auf denen ein Handy, ein GPS-Empfänger oder ein WLAN-Gerät arbeitet – und erzeugt so eine lokale Funkstille. Technisch gesehen ist das ein Denial-of-Service-Angriff, kein Abhören. Der Jammer sendet nämlich ein stärkeres Signal als der nächstgelegene Mobilfunkmast oder Satellit auf einer ähnlichen Frequenz. Das Endgerät greift dann zum stärkeren Signal, das schwächere wird überlagert, und im Display erscheinen keine Balken mehr. Gejammt wird dabei auf der Downlink-Strecke.
Beim Jamming sinkt das Signal-Rausch-Verhältnis – das heisst, das eigentlich gewünschte Signal ist zwar noch da, geht aber im Rauschen unter. Simpel gestrickte Geräte knallen einfach breitbandiges Rauschen über den gesamten Frequenzbereich, während ausgefeiltere Modelle gezielt und protokollbewusst die Steuerkanäle stören. Die folgende Übersicht listet die typischen Frequenzbänder auf:
Welche Strafen und welche Durchsetzung gelten nach dem Wireless Telegraphy Act 2006?
Wer absichtlich ein Funksignal stört, muss mit bis zu zwei Jahren Haft rechnen – oder mit einer Geldstrafe, deren Höhe nach oben offen ist, oder mit beidem. Das regelt der Wireless Telegraphy Act 2006. Und es kommt noch dicker: Schon die Herstellung, die Einfuhr, der Verkauf oder auch nur die Vermietung solcher Jammer ist strafbar. Zuständig für die Aufsicht über elektronische Kommunikation und Postdienste ist Ofcom – doch Genehmigungen für Jammer wird man dort vergeblich suchen.
Praktisch gesehen gibt es im Vereinigten Königreich keinen Weg, auf legalem Wege eine Genehmigung für einen Jammer zu bekommen – ein entsprechendes Verfahren existiert schlicht nicht. Die Nutzung ist deshalb grundsätzlich verboten. Ausnahmen gelten nur für Strafverfolgungsbehörden, Nachrichtendienste und Justizvollzugsanstalten. Diese staatlichen Stellen setzen Signal Jammer zwar bereits seit 2012 ein, allerdings nur unter strengen Auflagen.
In der aktuellen Konsultation des DSIT geht es um eine ganze Reihe von Fragen: Wie wirkt sich Jamming eigentlich auf Kommunikation, Positionierung, Navigation und Zeitgebung (PNT) aus – und was bedeutet das für Unternehmen und Privatpersonen? Außerdem soll geklärt werden, wie wirksam die bestehenden Gesetze sind und wie gut Ofcom und die Polizei sie durchsetzen. Weitere Punkte sind legitime Nutzungen und bestehende Ausnahmen, die Frage, ob und wie der Besitz geregelt werden sollte, sowie angemessene Strafen. Das Ministerium weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass schon eine einzige Woche Störung der britischen PNT-Infrastruktur die Wirtschaft des Landes bis zu 7,64 Milliarden Pfund kosten könnte.
Warum konsultiert die britische Regierung ein Besitzverbot?
Der Anlass für die Konsultation ist die wachsende Nutzung von Jammern für Straftaten. Laut Telegraph sind Signal Jammer online schon für rund 20 Pfund erhältlich. Im vergangenen Jahr wurde geschätzt, dass vier von zehn Autodiebstählen landesweit unter Einsatz von Signal Jammern begangen wurden – in London sogar sechs von zehn. Der Crime Survey for England and Wales 2022/23 ergab, dass bei 40 Prozent der Fahrzeugdiebstähle elektronische Geräte verwendet wurden, mit einem Schwerpunkt im Metropolraum London.
The Register berichtet, dass die britische Regierung Jammer seit mindestens 2020 als Kriminalitätsproblem verfolgt. Die Geräte sollen von der bulgarischen Firma SOS Autokeys in alten Game-Boy-Color-Gehäusen verbaut und für Tausende Pfund an Autodiebstahl-Banden in ganz Europa verkauft worden sein. Die Polizei von West Yorkshire nahm 2021 mehrere Verdächtige fest und erklärte, die Geräte seien für rund 20.000 Pfund (etwa 30.000 US-Dollar) gekauft worden und darauf vorprogrammiert, Fahrzeuge von Hyundai, Kia, Mitsubishi, Nissan und Genesis in Sekunden zu öffnen.
Auch international wächst der Druck: Das US-Heimatschutzministerium meldete einen Anstieg der Beschlagnahmungen von in China hergestellten Signal Jammern um 830 Prozent. Die Konsultation soll klären, ob ein Besitzverbot im Vereinigten Königreich ein wirksames und verhältnismäßiges Mittel ist, um diese Entwicklung einzudämmen.
Welche legitimen Nutzungen und Ausnahmen gibt es für Jammer?
Die Konsultation nennt ausdrücklich legitime Einsatzbereiche. Dazu zählen sichere Umgebungen wie Justizvollzugsanstalten, in denen verhindert werden soll, dass Insassen verbotene Mobiltelefone nutzen. Auch militärische Übungen im Kampfeinsatz gehören zu den anerkannten Verwendungen. In diesen Fällen werden Jammer von staatlichen Stellen kontrolliert eingesetzt.
Außerhalb dieser engen Ausnahmen gibt es im Vereinigten Königreich keine Möglichkeit, eine Genehmigung für einen Jammer zu erhalten. Wer ein Gerät besitzt, das nicht zugelassen ist, riskiert bei Nutzung oder Weitergabe strafrechtliche Konsequenzen. Die Konsultation prüft, ob bestehende Ausnahmen ausreichen oder ob der Besitz generell verboten werden sollte – mit Augenmaß für legitime Zwecke.
Wie werden Jammer erkannt und welche Gegenmaßnahmen gibt es?
Typische Anzeichen für Jamming: Der Mobilfunkempfang bricht dort ab, wo sonst stabiles Netz verfügbar ist; mehrere Telefone verlieren gleichzeitig das Signal; ein Router friert ein; ein GPS-Gerät findet unter freiem Himmel keinen Fix. Ein abgerissenes Signal ist meist das erste Warnzeichen, kann aber auch durch defekte Geräte, physische Hindernisse oder rechtmäßige Geräte auf denselben Frequenzen verursacht werden.
Spektrumanalysatoren können Jamming durch Frequenzanalyse erkennen, sind aber nicht allgemein verfügbar und erfordern Spezialwissen. Jammer-Erkennungs-Apps gelten als weitgehend unzuverlässig. Wer glaubt, dass eine autorisierte Kommunikation gestört wird, sollte sich an den jeweiligen Netzbetreiber wenden. Mobilfunk-Signaldetektoren sind legal und in Justizvollzugsanstalten weit verbreitet – selbst dort, wo Jammer verboten sind.
Welche kriminellen Muster sind mit Jammern verbunden?
Die Einsatzmuster sind vielfältig. Häufig werden GPS-Signale in Fahrzeugen blockiert, um Diebstähle zu erleichtern und Transporter mit Werkzeug leerzuräumen. Auch private Sicherheitssysteme wie Video-Türklingeln werden gestört, um Einbrüche zu ermöglichen. Im Einzelhandel blockieren Täter drahtlose Sicherungsetiketten, damit Alarme nicht auslösen.
Hinzu kommt die Störung von Mobilfunknetzen und Notfunknetzen, was die Notfallversorgung behindern kann. Manche Geräte sind als Alltagstechnik getarnt, etwa als digitale Armbanduhren. Diese Bandbreite zeigt, warum die Regierung den Besitz stärker regulieren will – ohne den legitimen Bedarf staatlicher Stellen infrage zu stellen.
Häufig gestellte Fragen
Ist die Nutzung eines Signal Jammers im Vereinigten Königreich illegal?
Ja. Nach dem Wireless Telegraphy Act 2006 ist die vorsätzliche Störung eines Funksignals strafbar, und Ofcom erteilt keine Genehmigungen für Jammer. Auch Herstellung, Import, Verkauf und Vermietung sind verboten. Nur begrenzte Stellen wie Strafverfolgungsbehörden, Nachrichtendienste und Justizvollzugsanstalten dürfen Jammer unter strengen Auflagen einsetzen.
Kann man im Vereinigten Königreich allein wegen des Besitzes eines Signal Jammers strafrechtlich verfolgt werden?
Das aktuelle Recht verbietet den Besitz eines Radiofrequenz-Jammers nicht ausdrücklich, untersagt aber Nutzung und Lieferung nicht konformer Geräte. Die Konsultation der Regierung von April 2026 prüft, ob der Besitz geregelt werden soll, und der Crime and Policing Bill zielt auf Geräte ab, die zum Autodiebstahl verwendet werden.
Welche Strafen drohen bei Jamming-Verstößen im Vereinigten Königreich?
Nach dem Wireless Telegraphy Act 2006 kann jemand, der vorsätzlich ein Funksignal stört, mit bis zu zwei Jahren Gefängnis, einer unbegrenzten Geldstrafe oder beidem bestraft werden. Der Crime and Policing Bill würde den Besitz oder die Weitergabe elektronischer Geräte zum Autodiebstahl mit bis zu fünf Jahren Gefängnis ahnden.
Wie blockieren Signal Jammer tatsächlich Telefone und GPS?
Ein Jammer sendet Radiofrequenzrauschen auf denselben Frequenzen, die ein Gerät nutzt – mit stärkerer Leistung als der eingehende Mast- oder Satellitensignal. Der Empfänger kann das gewünschte Signal nicht vom Rauschen trennen, die Verbindung bricht ab. Mobilfunkbänder reichen von 700 bis 2100 MHz, GPS liegt bei 1575 MHz, WLAN nutzt 2,4 GHz und 5 GHz.


