Breitbandiges Frequenzsprungverfahren (WFH) verteilt ein Signal über viele Schmalbandkanäle und springt pseudozufällig zwischen ihnen. Der Beitrag erklärt Signalstruktur, Processing Gain, schnelles vs. langsames Hopping sowie Gegenmaßnahmen von Störsendern.

Was ist Wideband Frequency Hopping und warum schützt es vor Störungen?

Wideband Frequency Hopping, kurz WFH, ist ein Frequenzsprungverfahren: Die verfügbare Bandbreite wird in viele schmale Unterkanäle aufgeteilt, und der Träger springt nach einem pseudozufälligen Muster schnell zwischen ihnen hin und her. Dieses Muster kennen Sender und Empfänger, ein Störer dagegen nicht. Und genau das ist der Kern des Antijamming-Schutzes – ein Schmalbandstörer trifft immer nur einen kleinen Teil der Sprungbandbreite, während der Empfänger die gestörten Sprünge einfach aussortiert und die Nachricht aus den sauberen Sprüngen wieder zusammensetzt. In einem aktuellen Paper schlägt C. Wang (IET Radar, Sonar & Navigation, 2026) eine Navigationssignalstruktur vor, die auf breitbandiger Frequenzsprungmodulation basiert, um die Störfestigkeit zu verbessern.

Man nennt dieses Verfahren Frequency Hopping Spread Spectrum, kurz FHSS, und es ist vor allem in den ISM-Bändern weit verbreitet – dort schreiben Regulierungsbehörden seinen Einsatz sogar vor, um Interferenzen einzudämmen. Verwandte Begriffe, die einem dabei immer wieder begegnen, sind Hopper-Signale, frequency-agile Signale und Bandwidth Hopping Spread Spectrum (BHSS), das Liechti et al. 2015 vorgeschlagen haben, um die Störfestigkeit zu verbessern. Letztlich hängt aber in der Praxis viel mehr von der konkreten Signalstruktur ab – also vom Kanalraster, der Sprungfolge, der Verweilzeit und der Synchronisation – als davon, wie das Verfahren genannt wird. Denn genau diese Parameter entscheiden darüber, wie widerstandsfähig eine Funkstrecke gegenüber Störsendern wirklich ist.

Wie funktioniert die WFH-Navigationssignalstruktur?

Die Signalstruktur steht auf vier Säulen: Kanalisierung, Sprungfolge, Synchronisation und Verweilzeit. Zuerst wird bei der Kanalisierung ein breites Frequenzband in zahlreiche schmale Unterkanäle zerlegt. Die Reihenfolge der Sprünge legt dann ein pseudozufälliger Algorithmus fest – und genau dieser soll verhindern, dass sich jemand unbefugt auf das Signal synchronisiert. Sender und Empfänger wechseln ihren Träger dabei gleichzeitig und in einer vorher festgelegten Abfolge. Die Verweilzeit, also die Dwell Time, sagt schließlich, wie lange das Signal auf einer Frequenz bleibt, bevor es zum nächsten Sprung kommt.

Um ein FHSS-Signal überhaupt zu erkennen, muss ein Beobachter eine ganze Reihe von Größen kennen: die Sprungdauer, die Sprunglänge, die genutzte Bandbreite, die Mittenfrequenz sowie Anzahl und Lage der verwendeten Kanäle. Dass die Energie über ein breites Spektrum verteilt wird und die Sendeleistung teilweise sogar unter dem Rauschpegel liegt, macht die Sache zusätzlich knifflig – die Signale sind einfach schwer zu detektieren. Kommt es dann noch vor, dass mehrere Hopper sich in der Frequenz oder zeitlich überschneiden, wächst das Risiko, dass Detektionen falsch ausfallen oder ganz verloren gehen. Eine gewisse Rettung bietet die Vorwärtsfehlerkorrektur (FEC): Sind etwa 10 Prozent der Sprünge gestört, lässt sich die Nachricht meist noch rekonstruieren. Erst bei 30 bis 50 Prozent gestörten Sprüngen braucht man eine stärkere FEC mit niedrigerer Coderate – was allerdings den Durchsatz spürbar drückt.

Langsames versus schnelles Frequency Hopping: die wichtigsten Unterschiede

Der springende Punkt ist das Verhältnis von Symbol- und Sprungdauer. Beim langsamen Hopping werden innerhalb eines Sprungs mehrere Symbole übertragen – die Symboldauer TS ist hier also länger als die Verweilzeit TH auf einer Frequenz. Der Träger bleibt über ein oder mehrere Symbole hinweg unverändert, was es einem Angreifer deutlich leichter macht, das Signal zu verfolgen und abzufangen. Beim schnellen Hopping dreht sich das Ganze um: Hier verteilt sich ein einziges Symbol auf mehrere Sprünge, das Verhältnis TS/TH liegt unter eins. Die Frequenz wechselt also schneller, als ein Datensymbol dauert. Genau das macht das Signal spürbar schwerer zu stören und abzufangen.

Für schnelles Frequency Hopping greift man am besten auf nichtkohärente Verfahren wie FSK oder MFSK zurück. Damit sich die einzelnen FSK-Töne nicht gegenseitig stören, braucht es einen Mindestabstand – und der entspricht einem Vielfachen der Sprungfrequenz fH. Ein kohärenter Empfänger tut sich bei schnellem Hopping schwer, deshalb wird in der Praxis fast immer nichtkohärent demoduliert. Was die Verweildauer angeht: Beim langsamen Hopping liegt sie typischerweise im Millisekundenbereich, beim schnellen Hopping dagegen unter 100 Mikrosekunden.

Verarbeitungsgewinn und Störstrategien: Spot-, Follower- und Barrage-Jamming

Der Verarbeitungsgewinn, also der Processing Gain, gibt an, wie viel stärker ein Störer sein müsste, um wirklich jeden Sprung zu blockieren. Man berechnet ihn über die Formel PG = 10 x log10(W / B_hop). Ein Beispiel: Bei einer Sprungbandbreite W von 200 MHz und einer Kanalbandbreite B_hop von 25 kHz kommt man auf einen Gewinn von etwa 39 dB. Ein Schmalbandstörer erwischt dabei nur einen Bruchteil der Sprünge, nämlich f_jammed = B_jam / W. Wenn die Störbandbreite 1 MHz beträgt und die Gesamtbandbreite 100 MHz, sind das gerade einmal rund 1 Prozent der Sprünge.

Ein Barrage-Störer verteilt seine Sendeleistung über das gesamte Sprungband – das klingt erst einmal nach viel, ist aber ein ziemlich ineffizientes Unterfangen. Die Leistung, die auf einen einzelnen Sprungkanal entfällt, lässt sich mit P_jam_per_hop = P_jam_total x (B_hop / W) berechnen. Bei einem 100-MHz-Band und einer Sprungbandbreite von 25 kHz ergibt sich daraus eine Verdünnung von etwa 36 dB. Will der Barrage-Störer pro Sprung ein J/S-Verhältnis von 10 dB erreichen, müsste er rund 46 dB mehr Leistung aufbringen als ein Spot-Störer – ein energetischer Aufwand, der in der Praxis kaum zu rechtfertigen ist. Anders sieht es beim Follower-Störer aus: Der muss das Signal erst detektieren, sich auf die passende Frequenz abstimmen und senden, und das alles, bevor die Verweilzeit T_hop abgelaufen ist. Schafft er das nicht rechtzeitig, ist der Sprung für ihn verloren.

Ein gutes Beispiel für reaktives Jamming liefert das Patent US10985861B2 von der Drexel University – eingereicht am 25.02.2019, erteilt am 20.04.2021. Beschrieben wird darin eine SDR-Vorrichtung mit einem FPGA-Hardware-IP-Kern, der FHSS-Signale gezielt und zeitkritisch stören kann. In einem der Beispiele kommt ein 1-MHz-Signal zum Einsatz, das auf einem zuvor erkannten Bluetooth-Kanal sitzt.

Reale Systeme: Bluetooth AFH und SINCGARS-Sprungmuster

Zwei Systeme, die in der Praxis häufig als Beispiele herhalten müssen, zeigen ganz gut, wie unterschiedlich man Frequenzsprungverfahren auslegen kann. Bluetooth setzt auf Adaptive Frequency Hopping (AFH) über 79 Kanäle im 2,4-GHz-ISM-Band – mit 1600 Sprüngen pro Sekunde, 1 MHz Kanalabstand und einer Sendeleistung zwischen 1 mW und 100 mW (Klasse 1 bis 3). Der adaptive Ansatz ist dabei der eigentliche Clou: Verrauschte oder gestörte Kanäle werden einfach gemieden, Interferenzen also aktiv umgangen. SINCGARS geht da schon deutlich grober, aber auch robuster zu Werke: 2320 Kanäle im VHF-Band von 30 bis 88 MHz, mehr als 100 Sprünge pro Sekunde. Das Sprungmuster selbst erzeugt ein COMSEC-Modul mit klassifiziertem Algorithmus und gemeinsamem Kryptoschlüssel – daraus ergeben sich rund 2^128 mögliche Muster, was die Vorhersage für einen Angreifer praktisch aussichtslos macht.

Neben dem klassischen Frequenzsprung existieren Varianten wie Mode Hopping (MH) für die Störfestigkeit in Radio-Vortex-Kommunikationssystemen (Liang et al., 2024, arXiv:2407.13361). MH nutzt die Orthogonalität von OAM-Moden: Innerhalb eines schmalen Frequenzbands erreicht es dieselbe Bitfehlerrate wie konventionelles Breitband-FH. Das kombinierte Mode-Frequency Hopping (MFH) senkt die Bitfehlerrate weiter. Solche Ansätze zeigen, dass Störfestigkeit nicht nur über Bandbreite, sondern auch über zusätzliche Orthogonalitätsdimensionen erreichbar ist.

Stärken, Grenzen und die Abhängigkeit von der Synchronisation

Die Stärken von FHSS liegen auf der Hand: hohe Störfestigkeit, geringe Abfangwahrscheinlichkeit und Robustheit gegenüber Mehrwegeausbreitung. Diesen Vorteilen stehen jedoch klare Grenzen gegenüber. Die wichtigste ist die Abhängigkeit von der Synchronisation – geht sie verloren, fällt die gesamte Verbindung aus. Zudem bleibt eine Anfälligkeit gegenüber Barrage-Jamming bestehen, und in dicht belegten Bändern kann es zu Spektrumskonflikten mit anderen FHSS-Geräten wie WLAN und Bluetooth kommen.

Regulatorisch ist FHSS vor allem in ISM-Bändern verbreitet, wo Behörden seinen Einsatz vorschreiben, um Interferenzen zu begrenzen. Das Stören von FH-Signalen erfordert häufig Breitbandaussendungen, die andere Spektrumnutzer beeinträchtigen können. Wer ein solches System plant, sollte daher Sprungbandbreite, Kanalraster, Verweilzeit und Fehlerkorrektur gemeinsam dimensionieren – und die Synchronisation als kritischsten Ausfallpunkt behandeln.

Kennzahlen und Leistungsparameter im Überblick

Die folgende Übersicht fasst zentrale Parameter und Beispielwerte aus der Fachliteratur zusammen. Sie hilft dabei, Verarbeitungsgewinn, Störanteil und Leistungsverdünnung für eigene Szenarien abzuschätzen.

ParameterFormel / BeispielErgebnis
VerarbeitungsgewinnPG = 10 x log10(W / B_hop); W = 200 MHz, B_hop = 25 kHzrund 39 dB
Gestörter Sprunganteilf_jammed = B_jam / W; B_jam = 1 MHz, W = 100 MHzrund 1 %
Barrage-Leistung pro SprungP_jam_per_hop = P_jam_total x (B_hop / W); 100 MHz, 25 kHzVerdünnung rund 36 dB
Bluetooth AFH79 Kanäle, 2,4 GHz, 1 MHz Abstand1600 Sprünge/s, 1-100 mW
SINCGARS2320 Kanäle, 30-88 MHz VHFüber 100 Sprünge/s, ca. 2^128 Muster

Die Tabelle macht deutlich, warum Barrage-Jamming gegen Frequenzsprungverfahren so ineffizient ist: Die Leistung wird über das gesamte Band verteilt und pro Kanal um mehrere Zehnerpotenzen abgesenkt. Für Angreifer ist es daher attraktiver, einzelne Kanäle gezielt zu belegen oder reaktiv zu folgen – was wiederum schnelles Hopping und adaptive Verfahren begünstigt.

Welche Gegenmaßnahmen haben Störer – und wie reagiert WFH?

Störer verfolgen unterschiedliche Strategien: Spot-Jamming konzentriert Leistung auf einzelne Frequenzen, Follower-Jamming versucht dem Sprungmuster zeitlich zu folgen, und Barrage-Jamming belegt das gesamte Band. Gegen schnelles Hopping scheitert der Follower-Ansatz häufig, weil Detektion, Abstimmung und Aussendung innerhalb der Verweilzeit erfolgen müssten. Gegen Barrage-Jamming wiederum sprechen die hohen Leistungsverluste durch die Bandaufteilung.

Die WFH-Signalstruktur setzt genau hier an: Durch breite Sprungbänder, kurze Verweilzeiten und eine robuste Synchronisation wird die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass genügend saubere Sprünge für die Rekonstruktion der Nachricht übrig bleiben. Kombiniert mit FEC und adaptiven Kanalvermeidungsstrategien – wie sie Bluetooth AFH oder Ansätze wie Mode Hopping und MFH demonstrieren – entsteht ein mehrschichtiger Schutz, der sich nicht auf ein einzelnes Verfahren verlässt.

Wie erkennt man Hopper-Signale in der Praxis?

Die Analyse von Hopper-Signalen ist anspruchsvoll, weil sich die Energie über ein breites Spektrum verteilt und die Sendeleistung unter dem Rauschpegel liegen kann. Typische Werkzeuge sind Spektrumanalysatoren und Wasserfall-Diagramme, die Sprungdichte und belegte Kanäle sichtbar machen. Ein Wasserfall mit drei überlagerten Hopper-Signalen zeigt anschaulich, wie schwer einzelne Sprünge zu trennen sind, wenn sie sich in Frequenz oder Zeit überlappen.

Für Messungen müssen Beobachter Sprungdauer, Sprunglänge, genutzte Bandbreite, Mittenfrequenz sowie Anzahl und Lage der Kanäle bestimmen. In der Lehre und Dokumentation werden dazu häufig Blockdiagramme von FH-Sender und -Empfänger sowie Spektrum-Wasserfälle eingesetzt. Solche Darstellungen verdeutlichen, warum FHSS-Signale schwer abzufangen sind und weshalb Hersteller wie Rohde & Schwarz eigene Grundlagen zur Analyse von Hopper-Signalen bereitstellen.

Häufig gestellte Fragen

Wie widersteht Wideband Frequency Hopping Störungen?

Der Träger wechselt nach einer pseudozufälligen Folge rasch zwischen vielen Unterkanälen, die Sender und Empfänger kennen. Ein Schmalbandstörer trifft nur den Anteil der Sprünge in seiner Bandbreite. Der Empfänger verwirft gestörte Sprünge und rekonstruiert die Nachricht aus den sauberen.

Was ist der Unterschied zwischen langsamem und schnellem Frequency Hopping?

Beim langsamen Hopping werden mehrere Symbole pro Sprung übertragen, die Symboldauer übersteigt die Sprungzeit. Beim schnellen Hopping tragen mehrere Sprünge ein Symbol, die Sprungzeit ist also kürzer als die Symboldauer. Dadurch wird das Signal deutlich schwerer zu stören und abzufangen.

Wie hoch ist der Antijamming-Verarbeitungsgewinn beim Frequency Hopping?

Der Verarbeitungsgewinn entspricht dem Zehnfachen des dekadischen Logarithmus aus gesamter Sprungbandbreite geteilt durch momentane Kanalbandbreite. Bei 200 MHz Sprungband und 25 kHz Kanalbandbreite liegt er bei rund 39 dB. Der Störer müsste also 39 dB stärker sein, um alle Sprünge zu blockieren.

Warum ist Barrage-Jamming gegen Frequency Hopping ineffizient?

Ein Barrage-Störer verteilt seine Leistung über das gesamte Sprungband, sodass die Leistung pro Kanal im Verhältnis der Kanalbandbreite zur Gesamtbandbreite verdünnt wird. Bei 100 MHz Band und 25 kHz Sprüngen beträgt die Verdünnung rund 36 dB, was eine enorm hohe Störleistung erfordert.